Sonnenbaden

Macht Sonnenbaden süchtig?

Eine in den USA durchgeführte Studie legt den Verdacht nahe, dass Sonnenanbeter einer gewissen Suchtgefährdung unterliegen. Dermatologen der Universität von Texas in Galveston fragten sich, warum viele Menschen sich trotz persönlichen Wissens über die schädliche Wirkung von UV-Licht auf Gesundheit und Hautästhetik weiterhin regelmäßig und oft für viele Stunden in die Sonne legen. An einem Strand am Golf von Mexiko befragten sie 145 Sonnenanbeter nach ihren Gewohnheiten.

Das Ergebnis war frappierend: Viele Sonnenanbeter erfüllen tatsächlich die Kriterien einer Drogenabhängigkeit. Sie sind regelrecht süchtig nach Sonne. Die verwendeten Fragebögen orientierten sich an den Kriterien für die Diagnose von Suchterkrankungen.
Zum einen wurde ein Kurztest mit vier Fragen (CAGE-Kriterien: Cut down, Annoyed, Guilty, Eye-opener) eingesetzt, der üblicherweise verwendet wird, um Alkoholmissbrauch oder -abhängigkeit bei Patienten aufzuspüren. Das Screening hinterfragt, ob Patienten bereits vergeblich versucht haben, den Verbrauch bestimmter Suchtmittel zu senken, sich durch das eigene Verhalten gestört fühlen oder die Droge brauchen, um morgens wach zu werden. Ähnlich ergeht es offenbar vielen Menschen, die sich regelmäßig oder sogar täglich zum Bräunen in die Sonne legen und sich damit chronisch dem UV-Licht aussetzen. 38 Befragte (26 Prozent) erfüllten die CAGE-Kriterien einer Abhängigkeit.
Die Ergebnisse eines zweiten Tests waren noch deutlicher: Das aktuelle „Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-IV-TR)” für Drogenabhängigkeit der Amerikanischen Psychiatrischen Vereinigung in modifizierter Form ergab, dass 77 Sonnenanbeter (53 Prozent) als abhängig eingestuft werden mussten.
Die Dermatologen der Texas-Universität sprechen nun von einem neuen Typ von „UV-Licht-bezogener Substanzabhängigkeit“. Allerdings fehlt beim Sonnenlicht (bislang) die „Substanz“, die abhängig macht. Ob es sich dabei möglicherweise um Endorphine, also körpereigene Glückshormone, handelt, müssten weitergehende Untersuchungen zeigen.


Quelle:
Redaktion hautstadt; Deutsches Ärzteblatt, 16.08.2005
Lit.: Archives of Dermatology 2005; 141: 963-966